September 2019

Duftendes Räucherwerk – ein vielleicht ungewöhnlicher Zugang zur heimischen Pflanzenwelt? Es müssen nicht immer unbedingt exotische Harze, kostbare Hölzer aus dem Orient oder Weißer Salbei aus einem Indianerreservat sein. Sich mit der Nase aufzumachen, um heimische aromatische Pflanzen kennen zu lernen, die eine lange Tradition als Räucherpflanzen in unserem Kulturraum haben, macht sehr viel Spaß! 

Zu einem kleinen, feinen Workshop bei der Eröffnungsveranstaltung der Interreligiösen Naturschutzwoche 2019 in Köln brachte ich Arme voll frischer aromatischer Wildpflanzen und Kistchen voller Gläser mit bereits getrockneten heimischen Räucherkräutern mit. Alle aromatischen Pflanzen hatte ich im Umkreis von nur 5 Kilometern von meinem Zuhause gesammelt und teilweise im Laufe des Sommers bereits getrocknet. Gekostet hat das nichts und es war immer mit schönen Spaziergängen verbunden.

Gut, wenn man wie ich eine alte elektrische Kaffeemühle geerbt hat, um die trockenen Räucherkräuter zu mahlen. Andernfalls muss man halt zum Mörser greifen und die getrockneten Pflanzen mit Muskelkraft klein kriegen. Allein die Vorbereitung des Workshops war eine wahre Wonne – das Haus duftete einfach wunderbar aromatisch, nachdem ich getrockneten Beifuß, Rainfarn, Schafgarbe, wilde Minzen, Rosenblüten, Holunderblüten, Kamille, Gelbes Labkraut, Johanniskraut, Nadeln von Fichten und Douglasien erst gemahlen und dann zu feinen Mischungen zusammen gestellt hatte.

Beim Räucherwerk-Workshop konnten die Teilnehmenden zunächst an vielen getrockneten Pflanzen schnuppern und herausfinden, wie sie in frisch gepflücktem Zustand aussehen und auch riechen. Da hatte dann jede und jeder andere Vorlieben! Mein Lieblingsduft des diesjährigen Sommers ist der Weiße Steinklee. Ob er sich zum Räuchern eignet, darüber habe ich noch nichts in der Literatur gefunden, aber auf jeden Fall duftet er frisch und getrocknet ganz unwiderstehlich gut nach Cumarin, also wie Waldmeister, und verlockt mich sehr zum Ausprobieren in einer Räuchermischung.

Dann konnte sich jeder für eine oder mehrere der vorbereiteten Mischungen entscheiden. Daraus haben wir im Workshop zusammen kleine Räucherkügelchen hergestellt. Dazu wurden gemahlene Räucherkräuter mit einem Bindemittel verknetet. Mein Favorit ist ein Bindemittel aus Kartoffelstärke – die ist überall erhältlich, stammt günstigenfalls aus heimischen Kartoffeln und ist deutlich preiswerter als das klassische Räucherwerk-Bindemittel Gummi arabicum, ein afrikanisches Akazienharzpulver. Man bekommt übrigens ziemlich schmutzige Finger beim Verkneten der Masse, aber das macht ja nichts. Beendet haben wir den kleinen Workshop dann doch mit einem exotischen Harz, dem klassischen Weihrauch, und einer Meditation.

Naturerlebnistipp: Noch blühen einige der aromatischen wilden Pflanzen, die leicht zu erkennen sind und die sich zum Räuchern eignen, z. B. Rainfarn, Schafgarbe oder Beifuß. Luftig im Schatten aufgehängt trocknen die Kräuterbüschel schnell. Gemörsert oder gemahlen werden die Räucherkräuter später mit dem Bindemittel verknetet.

Das Bindemittel stellt man aus Wasser und Kartoffelstärke her, wie auf der Packung für Pudding beschrieben. Nehmen Sie lieber ein wenig mehr Stärkepulver, als es auf der Packung für Pudding angegeben ist, verrühren Sie die Stärke in kaltem Wasser, kochen die Mischung kurz auf, füllen den entstandenen weißlichen Glibber in ein leeres Glas und lassen das Ganze abkühlen. Man kann das Bindemittel im verschlossenen Glas gut im Kühlschrank eine Woche lang aufbewahren. 

Etwa 3 Teelöffel fein gemahlener Kräuter kommen auf 3/4 bis 1 Teel. Bindemittel und müssen gut verknetet werden. Genau richtig ist die Masse, wenn sie die Konsistenz von Knetgummi hat, ggf. nachdosieren, wenn etwas fehlt. Aus der Masse werden kleine Kügelchen von etwa 1 cm Durchmesser geformt, die anschließend noch etwa eine Woche trocknen müssen, bevor man sie verräuchern kann. Viel Spaß beim Ausprobieren!