September 2018

Totholz hat mich schon immer fasziniert. Wahrscheinlich, weil es so voller Leben steckt. Verwundert? Das ist tatsächlich so. Altholzbestände, kranke Bäume, Tot- und Faulholz, Mulm, rissige Borke – das alles sind Tummelplätze für sehr viele Tierarten. Allein unvorstellbare rund 1000 Käferarten leben im und vom Holz oder von holzbewohnenden Pilzen! Diese Zahl kann man sich leicht merken, aber natürlich gibt es außer den Käfern noch viel mehr Arten, die auf Totholz spezialisiert und damit darauf zum Überleben angewiesen sind. Auch wenn man es nicht auf den ersten Blick sieht, wuselt dort das Leben.

Daran musste ich wieder einmal denken, als ich im September diesen schönen „toten“ Baum bei einer Wanderung entlang der Wupper entdeckte. Schönheit und Besonderheit auch im Vergänglichen zu sehen, das gelingt in der Natur leicht.

Manche Käferlarven brauchen bis zu 8 Jahre für ihre Entwicklung im Totholz, bevor sie ihre Entwicklung zum erwachsenen Tier abgeschlossen haben, so lange jedenfalls brauchen manchmal Hirschkäferlarven. Wer das Glück hatte, einen ausgewachsenen Hirschkäfer zu sehen, wird dieses beeindruckende Erlebnis nicht wieder vergessen. Ein Grund mehr, sich für die Erhaltung von abgestorbenen Bäumen zu erwärmen und sich nicht über den vermeintlich „unordentlichen“ Wald zu ärgern.

Naturerlebnis-Tipp: Nehmen Sie sich doch einmal Zeit zur Beobachtung, wenn Sie das nächste Mal draußen einen „toten“ Baum entdecken. Können Sie Pilze, Moose und Flechten erkennen? Lassen sich auf der Borke und im Mulm Insekten wahrnehmen? Können Sie weiter oben Spechtlöcher sehen? Nehmen Sie doch einfach mal eine Handvoll Mulm in die Hand und spüren Sie dem geheimen Leben mit einer Taschenlupe nach.

Es ist dabei überhaupt nicht wichtig, ob Sie das, was Sie dort sehen und beobachten, mit Namen benennen können. Aber wenn Sie ein Gefühl dafür bekommen, wie vielfältig, überraschend und wertvoll das Leben auch an abgestorbenen Bäumen ist, wäre das schön.