Mai 2021

Allen, die unter dem recht kühlen und nassen Mai leiden, möchten wir eine Tour in den Auwald empfehlen! Die Natur ist dort dank der üppigen Niederschläge und der hohen Grundwasserstände zur Zeit einfach traumhaft. Diese Vielfalt an Grüntönen, die herrlichen Wechsel von Licht und Schatten und dazu der sich spiegelnde Himmel in den Wasserflächen sind ein Fest für die Augen… Die Nase erschnuppert mannigfaltige Gerüche und Düfte, erdige, frische, modrige, harzige, blumige…  Die Ohren spitzen sich vergnügt, denn das Konzert der vielfältigen Vogelstimmen, untermalt von den Rufen der Frösche und bereichert vom leisen Blätterrauschen in den Baumkronen tut einfach nur gut… Ausgedehnte Bestände von Bärlauch, inzwischen wie weiße Sterne blühend, lassen einem mit intensivem Knoblauchduft das Wasser im Mund zusammen laufen… Die Hände ertasten wie von alleine die zerfurchte Borke alter Bäume, die Weichheit von Moos, die Zartheit von Gräsern…

Eine achtsame Wanderung durch den Auwald in diesem verregneten und Pandemie-gebeutelten Monat weckt alle Sinne! Die Seele tankt auf, und wir beide denken: Ja, das ist es – Grünkraft! Hier spüren wir sie besonders – Viriditas, wie die Heilige Hildegard von Bingen diese Kraft genannt hat. 

Und dann spitzen wir wieder die Ohren, halten die Nase in die Luft und gehen auf matschigen Wegen weiter durch diese amphibische Landschaft, während leise ein Storch über uns hinweg fliegt und die Frösche schlagartig verstummen.