Mai 2018

„Natur mit allen Sinnen wahrnehmen“ – wie entspannend und überraschend das sein kann, wollte ich drei Gruppen von Erwachsenen im frühlingshaften Auwald bei Altrip, einem kleinen Ort gegenüber von Mannheim, im April zeigen.

  • Hören: Zwitschernde Vögel, summende Insekten, schnatternde Nilgänse, knarzende Baumstämme, raschelnde Pappelblätter, brummende Schiffsmotoren, ferne Kirchenglocken, … es war eine Wohltat für die Ohren. Wer schweigend geht und einmal ganz Ohr ist, nimmt die Welt plötzlich anders wahr.
  • Riechen: Unerwartete Gerüche nach Mandeln und Fruchtdrops am Baumpilz überraschten mit ihrer Intensität und waren so ganz anders als erwartet. Die Blüten des Bergahorns dufteten ganz wunderbar nach Honig und Ahornsirup. Zerriebene Kräuter von der Böschung weckten plötzlich Erinnerungen an die alte Heimat und das Bohnen schnippeln mit dem Opa.
  • Berühren: Wie fühlen sich Gräser, Moos, Muscheln, Holzstückchen, Schneckenhäuser oder Pusteblumen auf der Haut an, wenn man dabei die Augen geschlossen hält, nicht weiß, was einen erwartet und eine andere Person streicht achtsam und vorsichtig mit diesen Naturmaterialien über den Unterarm? Die Wahrnehmungsübung „Von der Natur berührt“ berührte die meisten auch tief im Inneren.
  • Sehen: Es ging dabei um die Wahrnehmung von Formen, Farben und Strukturen, um das Sammeln von Material in der Natur und die gemeinsame Erschaffung eines vergänglichen Kunstwerks in der Natur. Dass bei dem abgebildeten Mandala auch eine rote Patronenhülse mit verwendet wurde, ist wie ein kleines Augenzwinkern! Eine zweite Gruppe verwendete einen geringelten alten Socken, die dritte leuchtend blaue Schnipsel von einem geplatzten Luftballon als kräftige Farbakzente. Natur, Kunst und Humor!
  • Schmecken: In dieser Jahreszeit verlockten Bärlauch, Knoblauchrauke, Sauerampfer und Waldmeister zum Probieren, einfach so oder auch zu Köstlichkeiten verarbeitet.

Wir waren vier Stunden gemeinsam in der Natur unterwegs, auf der einen Seite lag der faszinierende Auwald mit seinen mächtigen alten Bäumen und geheimnisvollen Altheinarmen, auf der anderen Seite gab es Ausblicke auf das Steinkohlekraftwerk Mannheim und die großen Lastschiffe auf dem Rhein – welch’ ein Kontrast, aber einer mit einem ganz eigenen Reiz. Auch im urbanen Raum lassen sich überraschende und intensive Naturerfahrungen machen!

Naturerlebnis-Tipp: Bei einem Streifzug durch die Natur einmal alle fünf Sinne gezielt und getrennt einzusetzen, beschert besondere Erlebnisse! Wagen Sie doch einmal das Ungewöhnliche, etwas, was Sie noch nie gemacht haben, schnuppern Sie wie wir einfach mal an einem Baumpilz, an Rinde, an Erde, an Moos, an Baumblüten … Lassen Sie sich von der Natur berühren… Und staunen Sie über die Intensität dieser Sinneseindrücke!