März 2018

Im Siebengebirge gibt es etwas ganz Besonderes, auf das ich mich jedes Jahr im frühen Frühling freue und im März gezielt auf die Suche mache: die Blüte der wilden Blausternchen! Wenn sie oberhalb von Bonn-Oberkassel entlang des Rheinhöhenweges zu Tausenden einen strahlend blauen Teppich zaubern, fühle ich mich immer auf’s Neue beglückt.

Es ist dieses Jahr noch so richtig kalt im März, aber wir nutzen den ersten sonnigen Sonntag, um nachzuschauen, ob sie schon da sind – ja, sind sie! Nicht von ungefähr wird diese kleine Zwiebelblume auch „Schneestolz“ genannt! Schnee kann ihr wirklich nichts anhaben, denn gleich nach diesem frühlingswarmen Sonntag müssen die Blümchen den nächsten Kälteeinbruch mit tagelangem Frost und Schnee ertragen. Wie es ihnen wohl ergangen ist? Eine Woche nach dem ersten Besuch bei den blauen Blumen lockt uns der nächste sonnige Tag wieder in den Wald. Es ist der Namenstag des Heiligen Josef, angeblich der Höhepunkt der Blütezeit der Blausternchen, weshalb die kleine Frühlingsblume im Volksmund auch liebevoll „Jösefchen“ genannt wird. Und tatsächlich macht sie ihrem Spitznamen alle Ehre! Der Schnee hat ihr nichts anhaben können, noch schöner leuchtet es herrlich blau aus dem winterlichen Laub hervor, und ich kann mich kaum satt sehen.

Der Zweiblättrige Blaustern (Scilla bifolia), wie der kleine Frühjahrsblüher wissenschaftlich korrekt heißt, mag es gerne warm, denn er kommt ursprünglich aus dem Mittelmeerbereich. Im Siebengebirge bei Bonn liegt eines der nördlichsten Vorkommen überhaupt, denn hier kann der Blaustern wegen des milden Klimas und der sonnigen Lage auf der rechten Rheinseite noch gut leben. Weiter nördlich ist es ihm dann zu kalt. Der Blaustern steht übrigens unter strengem Naturschutz und ist in allen Teilen giftig – also nur mit den Augen bewundern!

Die Blüte der Blausterne im Siebengebirgswald ist nur kurz. Es gab schon Jahre, da habe ich sie verpasst und war dann etwas traurig, wenn ich nur noch die verwelkten Blüten vorgefunden habe. Ich finde, die Blausternchenblüte ist ein schönes Bild dafür, dass alles seine Zeit hat. „Carpe diem – Genieße den Tag!“ gilt besonders für solche ganz besonderen, flüchtigen Naturmomente.

Naturerlebnis-Tipp: Wenn in Ihrer Heimat keine Blausternchen blühen, dann halten Sie doch beim nächsten Streifzug durch den lichten Laubwald Ausschau nach anderen Frühjahrsblühern. Jetzt kommt die Zeit, in der auch viele andere wilde Blumen aufblühen und das Herz erfreuen: Lerchensporn, Lungenkraut und Immergrün in den Farben blau bis rosa, Buschwindröschen in weiß oder Scharbockskraut mit seinen gelben, wie lackiert aussehenden Blüten. Carpe diem!