Juni 2021

Das Interesse an spirituellen Auszeiten in der Natur nimmt zu. Viele Menschen haben während des Corona-Lockdowns wieder oder neu entdeckt, dass Draußensein im Wald, Stille und Weite wohltuend auch für die Seele sind.

Ich, Michael Krischun, bin im Leitungsteam der Pilgerbegleiter-Qualifikation der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Endlich konnte am vergangenen Wochenende der Kurs 2021 beginnen. Da wir im Vorfeld nicht wussten, wie sich die  Pandemie entwickeln würde, hatten wir uns für das Startmodul eine Kombination aus Online-Veranstaltung und individueller „Pilgerwanderung“ entschieden.

Die Gelegenheit zum meditativen Draußensein beim Tagespilgern habe ich natürlich auch genutzt. So bin ich, ausgestattet mit 4 vorbereiteten Briefumschlägen, in denen sich ein Pilgersegen und verschiedene Impulse befanden, einer dazu gehörenden Anleitung und viel Wasser, weil´s so heiß war, aufgebrochen. Obwohl ich alleine unterwegs war, stellte sich bei mir ein deutliches Gemeinschaftsgefühl ein. Schließlich waren die Anderen zur selben Zeit und mit den gleichen Briefumschlägen auf ihren Wegen unterwegs. Von Zeit zu Zeit habe ich einen der Briefumschläge geöffnet und mich mit dem darin enthaltenen Impuls beschäftigt. Es tat mir gut, auf meinem eigenen Weg unterwegs zu sein, Zeit für mich zu haben und dank der Anleitung und der Impulse trotzdem geführt zu werden. 

Mein Ziel war eine schattige Freiluftkapelle, die mit viel Liebe gepflegt wird. Sie liegt im Pfälzer Wald an einem Wanderweg und ist nicht zu übersehen. Während ich dort saß, kamen auch einige Wanderer mit Rucksack vorbei. Die meisten würdigten das Kleinod mit keinem Blick, was mich sehr verwunderte. Ist eine Wandertour so vom Zielort und der Ankunftszeit dominiert, dass keine Zeit zum (ungeplanten) Anhalten bleibt? Man muss nicht Christ*in sein, um sich an solch einem Ort zu fragen: Was ist das? Wer hat das gemacht? Wem ist das hier so wichtig, dass jemand diesen Ort pflegt, obwohl er nur zu Fuß zu erreichen ist? Aber das ist vielleicht ein Unterschied zwischen Wandern und Pilgern. Beim Pilgern zählt das achtsame Unterwegssein, das sich Überraschenlassen und ein bewusstes Wahrnehmen dessen, was einem auf dem Weg begegnet. Natürlich gehört zum Pilgern noch viel mehr…

Habe ich Sie neugierig gemacht? Im kommenden Jahr gibt es wieder einen Kurs für die Pilgerbegleitungs-Qualifikation. In der Zwischenzeit können Sie bei Interesse einfach einmal an einem der vielfältigen Pilgerangebote teilnehmen und schauen, ob das etwas für Sie sein kann: Programm 2021