Juli / August 2021

Wir sind mit einer Gruppe Erwachsener unterwegs im Bienwald auf dem West-Wall-Weg, auf einer Entdecker-Tour mit insgesamt 20 Stationen. Wir haben dieses Format des Naturerlebens entwickelt, um auch unter den Beschränkungen der Corona-Pandemie mit Gruppen in die Natur gehen zu können. Nun ist es Sommer – und wir können gemeinsam los gehen!

An Punkt 10 der gemeinsamen Wanderung stoßen wir plötzlich auf einen gesprengten Bunker aus dem 2. Weltkrieg. Von einer rostigen, geborstenen Eisenstrebe baumelt ein Schnuller (engl. pacifier) herab. Am bröselnden Beton klebt ein nicht mehr vollständiges buntes Mosaik eines Peace-Zeichens. Brombeeren ranken über die Bunkerreste, krumm wachsende Bäume zwängen ihre Wurzeln in die Ritzen zwischen den Mauerresten und überraschen uns mit ihrer Widerstandskraft. Die Natur holt sich ihr Terrain zurück. Über dem alten Bunker liegt Stille, und wir hören nur das Summen der Insekten in der heißen Sommersonne.

Es ist ein guter Platz, um die besondere Atmosphäre erst einmal für eine Weile schweigend und alleine auf sich wirken zu lassen. Anschließend hält jede und jeder aus der Gruppe die Eindrücke in einem „Elfchen“, einem frei formulierten Gedicht aus 11 Worten, fest.

Kaputt
Unnötige Bauten
Natur kehrt zurück
Zeit heilt alle Wunden
Leben

Zerstörung
Natur Wachstum
Ruhe Achtsamkeit Licht
Wind Stille Atmen Hören
Leben

Gesprengt
Ein Bunker
Zeichen vergangener Kriege
Sie rüsten wieder auf
Wozu?

Zerstörung
Unnötiges Leid
Schon fast vergessen
Bei der heutigen Generation
Wiederholungsgefahr?

Macht
Volk ohnmächtig
Sirenen heulen laut
Heimat liegt in Trümmern
Neubeginn

Galgen
Aufhänger – Wortsinn
Bunker Schutz – Unsinn
Krieg Tod Zerstörung – Irrsinn
Wahnsinn

Bunker
Stahl Beton
Hass Gewalt Tod
Tun wir was dagegen
Liebe

Mahnmal
Grünkraft wirkt
Schnuller als Symbol
Feindschaft kann vergänglich sein
Frieden

Wunsch
Nach Frieden
Für unsere Kinder
Die das Leben vor sich
Haben

Zerstörungswerk
Sinnloser Krieg
Blätterdach voller Licht
Leise Sehnsucht nach Frieden
Hoffnungsvoll

Wie schnell geht man sonst an einer solchen Stelle vorbei…
Wenn man sich dagegen bewusst Zeit schenkt, den Ort mitten im Wald auf sich wirken lässt und die Eindrücke anschließend „verdichtet“, wird anhand der so entstandenen einfachen Gedichte deutlich, wie tief das Erleben gegangen ist.