Juli 2019

Pilgern – die zweite! Unterwegs im strömenden Regen auf dem Weg zum Pilgerbegleiter… Genauer gesagt war ich entlang des schwäbischen Jakobsweges unterwegs, dreieinhalb Tage rund 70 Kilometer durch Württembergische Landschaften bis Frommenhausen. In Kleingruppen hatten wir vorher jeweils Halbtagesetappen mit Impulsen vorbereitet, die nun aktiv erprobt, erwandert und erpilgert wurden, bis wir am Abend das Ganze reflektieren und durch Theorie ergänzen konnten.

Meine letzte Mehrtages-Streckenwanderung lag schon Jahrzehnte zurück. In der Mitte der 1980er Jahre wanderte ich mit meiner Frau Jonna eine Woche lang auf dem legendären Schwarzwald-Westweg (Basel – Pforzheim), damals waren Tagesetappen von fast 30 Kilometern kein Problem. 35 Jahre später war mir während der Vorbereitungsphase manchmal etwas mulmig zu Mute. Wie steht es um meine Kondition – eine so lange Strecke war ich lange nicht mehr gewandert? Was nehme ich mit – die Wetterprognosen waren uneindeutig? Sind meine Wanderschuhe auch wirklich gut eingelaufen – oder riskiere ich schlimme Blasen an den Füßen? Wird mein Regencape dicht bleiben, wenn es stark regnet – oder werden ich und der Rucksackinhalt womöglich nass?

Als es dann endlich mit dem Pilgern losging, musste ich immer wieder in mich hinein schmunzeln. Das Wetter übertraf einfach alle unsere Befürchtungen, denn es regnete fast die ganze Zeit ohne Unterlass! Umso überraschter war ich, dass mir das Wandern auch bei Regen viel Freude machte. Sprühregen, Landregen, Starkregen, Platzregen, tropfende Bäume, tropfendes Regencape,… ständig wurde man von außen ordentlich erfrischt. Und auch innerlich wurde ich auf angenehme Weise erfrischt, denn die verschiedenen geistlichen Impulse brachten die Gedanken auf neuen Kurs, Perspektivwechsel inbegriffen. 

Und wer weiß? Vielleicht werden wir in Anbetracht der insgesamt fehlenden Niederschläge überall zukünftig gerade dann einmal von „schönem Wetter“ reden, wenn es regnet und nicht die Sonne das Land verdorrt. Das wäre dann nicht nur ein Perspektiv-, sondern sogar ein Paradigmenwechsel.

Naturerlebnistipp: Machen Sie einmal ganz bewusst eine Regenwanderung nach einer sommerlichen Trockenheitsphase. Lassen Sie sich darauf ein, wie sich das Draußensein bei Regen anfühlt. Beobachten Sie, wie die Pflanzen Feuchtigkeit tanken und sich erholen. Hören Sie bewusst auf das Prasseln der Tropfen auf Blättern, Boden, Pfützen und Kleidung. Formen Sie einmal Ihre Hände zu einer Schale, betrachten Sie das sich darin langsam sammelnde Wasser und sinnieren Sie einmal darüber, wie wichtig Wasser für unser Leben ist.