August 2020

Stille, Zeit, Sinn, Spiritualität, Natur – auch das können Themen für eine künstlerische Auseinandersetzung mit Naturmaterialien in der Natur sein. Wir hatten uns sehr gefreut, diesen Themen in klösterlicher Atmosphäre nachzuspüren und als Land-Art zu gestalten. 

Ja, es war sehr heiß in diesen Augusttagen. Und ja, die Trockenheit im Nationalpark Harz und im Vorland dieses erstaunlichen Mittelgebirges war unübersehbar. Auch hier viel zu wenig Regen! Gibt es wirklich noch Menschen, die ihre Augen vor dem Klimawandel verschließen?

Sich mit den Themen Stille, Zeit, Sinn, Spiritualität in der Natur zu beschäftigen, sensibilisiert. Was bedeutet mir Natur? Was ist eigentlich Spiritualität? Welche Begegnungen in und mit der Natur bringen etwas in mir zum Schwingen, lassen mich Resonanz spüren? 

Umgeben von Wald und Wiesen liegt das Kloster Huysburg, nicht weit vom Harz entfernt. Romanik außen, innen Spätbarock mit einer reduzierten Farbgebung in Grau, weiß und etwas Gold. Brennende Sonne außen, wohltuende Kühle innen. Eine hohe Mauer umgibt das Kloster. Lindenbäume überall, jung, alt, abgestorben, wieder austreibend. Das ganze Ensemble atmet Zeit…

Land-Art schöpft aus der Resonanz mit der Natur und bringt sie zum Ausdruck. Die entstandene Installation zwischen Klostermauer und Linden lässt Lindensamen tanzen, wippen, schwingen. Wie Noten auf einem Notenblatt hängen sie vor dem Ausblick in die Weite in der Luft, eine unhörbare Musik, die das Leben preist, das in den kleinen kugeligen Früchten wartet. Durchscheinende Sonnenstrahlen bringen das Hochblatt zum Leuchten. Flügelblätter, die manchmal von einem Windhauch bewegt werden. Kleine, gold gefärbte Kugeln hängen daran wie winzige Glöckchen.

Ephemer – flüchtig – ist ein Eindruck beim Betrachten der Installation. Ephemer – kurzlebig, doch ohne Anflug von Trauer, eher von einer wunderbar zarten Heiterkeit durchwoben. 

Worte schwingen an dünnen Fäden in der Sommerluft, ähnlich zart wie die Samen der Linde. ZEIT. SEIN. DA. DU. EWIG. Schwingen hin und her, drehen sich um sich selbst, bilden neue Worte. DASEIN. Man könnte sich verlieren beim Schauen.

An der massiven hohen Klostermauer lehnt ein Tor aus Weidenzweigen. Führt das Tor hinein? Oder hinaus? Hinein in die Stille des Klosters? Hinaus in die Weite der Natur? Möglich wäre beides.

Die Stunden verfliegen nur so beim Gestalten. Zeit ist eben relativ. Ein besonderer Ort, dieses Kloster…

„Ephemer & Ewig“ habe ich deshalb meine Installation genannt und einen kurzen Film zusammen gestellt.

Ephemer & Ewig – Landart-Installation August 2020