April 2020

Da sitze ich nun mittags am Waldrand, etwas in den lichten Schatten zurück gezogen, denn die  Aprilsonne brennt erstaunlich heiß vom Himmel, und mache eine Pause. Direkt vor mir fliegen mehrere kleine puschelige Insekten unermüdlich über dem staubigen Boden hin und her, ab und zu drücken sie mit dem Hinterleib kleine Kuhlen in den Sand. Wer ist das? Und was machen die da? 

Ich beobachte und schaue, vertiefe mich ganz in das Tun der Tierchen. Es sind Wollschweber, manchmal nennt man sie auch Hummelfliegen – wie gut der Name zu ihnen passt! 

Und so würden sie sich mir vielleicht bei einem „Interview mit der Natur“ vorstellen:

„Ich bin ein Wollschweber, genauer gesagt: eine Wollschweberin! Klein und pelzig, langer Rüssel, zwei lange Hinterbeine – das ist es, was man von mir gleich sieht. Unermüdlich schwirre ich hin und her, hin und her, hin und her….
Wie alles angefangen hat, fragst Du? Irgendwann einmal bin ich aus einem Ei geschlüpft, war dann eine Zeitlang einfach nur Larve – da war ich vor allem mit Fressen beschäftigt – und an den Winter kann ich mich nicht so gut erinnern, den habe ich als Puppe einfach verschlafen. Und dann bin ich geschlüpft, ein pelziges, schwirrendes, schwebendes Insekt! Fast sehe ich aus wie ein Kolibri, schwirre wie er vor einer Blüte und nasche mit meinem langen Rüssel Nektar, ohne dass ich mich dazu hinsetzen muss. So schnell bewegen sich meine Flügel, dass man sie kaum sehen, sondern  nur hören kann. Ach, ich liebe diese warmen Temperaturen! Dann kann ich ja noch schneller schwirren…
Was ich da gerade mache, willst Du wissen? Dieser staubige Boden zieht mich heute magisch an. Wenn ich kurz darüber schwirre, machen meine Flügel so viel Wind, dass alles andere trockene Material davon fliegt – so sauber machen kann nicht jeder! Und wenn das Plätzchen richtig feinsandig ist, dann muss ich mein pelziges Hinterteil darauf niederlassen, und meine Beine machen eine kleine Kuhle, während ich wild schwirre. Das hat bestimmt etwas mit meinen Söhnen und Töchtern zu tun. Schade, dass ich sie nicht mehr kennen lernen werde, mein Leben ist ja so kurz…
So, danke für’s Zuhören, aber nun muss ich wieder losschweben, zurück zu meinen Schwestern. Die Männer sind alle weg, keine Ahnung, wohin…“

So oder so ähnlich könnte die Wollschweberin mir berichtet haben, als ich ihr zuschaute.  Und ich wusste zur Entstehung des „Interviews mit der Natur“ wirklich nicht, was die pelzigen Tierchen da eigentlich machen. Anschließend habe ich deshalb zu den Wollschwebern ein wenig recherchiert. Tatsächlich hat das beobachtete Verhalten etwas mit ihrer Fortpflanzung zu tun. Einige Arten verfügen über eine sog. Sandkammer am Hinterleib, in die sie vor der Eiablage Sand aufnehmen und ihn mit den Eiern verkleben. Wenn die Eier an oder in den Nesteingängen der späteren Wirte, z. B. im Boden lebende solitär lebende Wespen oder Bienen, abgelegt werden, schützt der angeklebte Sand die Eier vor den hohen Temperaturen auf der Sandfläche.

Naturerlebnis-Tipp: Sie brauchen etwas Zeit, ein Blatt Papier und einen Stift. Setzen Sie sich ruhig an eine Stelle in der Natur hin, schauen und beobachten sie einfach nur. Es gibt nichts zu tun. Die Welt dreht sich weiter, die Zeit vergeht, dieser Augenblick gehört ganz Ihnen. Sie sind Teil der natürlichen Umgebung. Nehmen Sie wahr, was um Sie herum ist. Gibt es etwas, was Ihre Aufmerksamkeit auf sich zieht? Ein kleines Tier vielleicht? Sie müssen nicht wissen, was es ist oder wie es heißt. Beobachten Sie einfach, was es tut, was das Charakteristische und das Besondere an diesem Lebewesen ist. Stellen Sie sich vor, wie die Welt wohl durch seine Augen aussieht. Und dann schreiben Sie wie ich ein „Interview mit der Natur“ auf. Viel Freude dabei!